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Von der FFW Jestetten zur BF Berlin

icon.crdate18.05.2026

Interview mit Florian Heinemann

Nach zwölf Jahren aktiver Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Jestetten und davor langjähriger Jugendfeuerwehrangehörigkeit, verließ uns unser Florian Heinemann (30 Jahre alt) und wechselte zur Berufsfeuerwehr Berlin.

Das stimmt uns auf der einen Seite traurig, da wir einen Aktivposten aus unseren Reihen verlieren, auf der anderen Seite sind wir natürlich sehr stolz auf Florian und gespannt, welche Erfahrungen aus der Bundeshauptstadt er uns in Zukunft zum Besten geben wird.

Nach den ersten Wochen der begonnenen Ausbildung kam es zum Interview mit dem frisch ernannten Brandoberinspektor-Anwärter.

 

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Florian, früher waren Lokomotivführer, Pilot, Polizist und Feuerwehrmann als Beruf bei Kindern und Jugendlichen als Berufswunsch gefragt. Heute dürfte eher der Influencer, Instagrammer, Youtuber oder erst einmal chillen auf der Wunschliste stehen. Wie war das bei dir? Angeblich hast du in jungen Jahren immer von der Feuerwehr gesprochen, obwohl dir lediglich der Vorname des Schutzheiligen der Feuerwehr in die Wiege gelegt wurde.

Florian:

Es stimmt, in meiner Kindheit und Jugend war in jedem Eintrag in einem Freundschaftsbuch der Wunsch Feuerwehrmann eingetragen. Auf jeden Fall stand nirgends Web-Entwickler, was ich zunächst geworden bin!

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Wie kamst du zur Jugendfeuerwehr und danach zur aktiven Wehr?

Florian:

Über die Mutter von Freunden bin ich zur Jugendfeuerwehr gekommen. Kurz vor dem 10. Geburtstag trat ich der Jugendfeuerwehr bei und das Hobby ließ mich danach nicht mehr los. Nach der Leistungsspange absolvierte ich gleich die Truppmannausbildung und mit 18 Jahren hatte ich schon die Grundausbildung in der Tasche. Ich feierte meinen 18.Geburtstag im Schützenhaus und zu meiner Überraschung erschienen Sven Trapp und der Gesamtkommandant Klaus Meier an meiner Feier und übergaben mir den Funkmeldeempfänger.

Mit dem Melder am Gürtel ging es dann in die Sommerferien und in den nächsten sechs Wochen war kein einziger Einsatz. Das Warten war übel, aber ich bekam ja jeden Mittwoch den Probealarm (lacht).

Der erste Alarm war zu einem Großbrand in Hohentengen und das Löschfahrzeug fuhr zusammen mit der Drehleiter praktisch vor meiner Nase weg. Aber die ersten Einsätze kamen dann und ich absolvierte die Ausbildung zum Funker und Atemschutzgeräteträger.

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Was passierte dann beruflich?

Florian:

In Singen machte ich mein Abitur und danach ging es zum Studium der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule in Konstanz. Mein Praxissemester absolvierte ich bei der Firma GF in Schaffhausen. Nach dem Studium habe ich mich in einer kleinen Agentur in Konstanz als Webentwickler spezialisiert. Ab diesem Zeitpunkt trat ich der Feuerwehr Konstanz bei, da ich eine Wohnung in Konstanz bezogen hatte. Ich war dort in verschiedenen Schleifen eingeteilt, wie auch beim Kleinalarm und dem Feuerlöschboot. So leistete ich ca. 1400 Einsätze in Konstanz. In Erinnerung bleibt mir sicher der Altstadtbrand in Konstanz 2024.

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Wie kamst du dann auf den Gedanken, Berufsfeuerwehrmann zu werden?

Florian:

Nach einer Umstrukturierung landete ich in einer Firma in Radolfzell. Diese Firma war spezialisiert auf Web-Shops. Mir machte das alles nicht so viel Spaß und hier reifte die Idee, mich bei einer Berufsfeuerwehr zu bewerben. 2024 sandte ich meine ersten Bewerbungen an verschiedene Berufsfeuerwehren ab. Ich wurde zu diversen Eignungstests eingeladen und schlussendlich entschied ich mich für die Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr Berlin.

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Unsere Leser interessiert es sicher, wie die Einstellungstests abliefen?

Florian:

Bei jeder Berufsfeuerwehr, egal für welche geplante Laufbahn, fängt es mit dem Sporttest an. Jede Berufsfeuerwehr organisiert das anders. In München musste ich die komplett ausgefahrene Drehleiter mit 30 Metern und 75 Grad in 60 Sekunden besteigen. Das Besteigen von tragbaren Leitern ist bei anderen Feuerwehren gefragt.

Es kamen darauf Einladungen zu Auswahlgesprächen, für den gehobenen Dienst. Da läuft es ab wie in einem Assessment-Center, mit Präsentation über ein bestimmtes Thema und sehr kurzer Vorbereitungszeit. In Berlin referierte ich über meinen Werdegang bei der Feuerwehr und den Ölwehren mit deren Alarmkonzept der drei Länder auf dem Bodensee.

In einem Gespräch wurden Fragen über die Berliner Feuerwehr gestellt und Aufgaben wie "stellen sie sich vor, sie sind Abteilungsführer einer Wache und...."! Lösen sie diese Aufgabenstellung.

Vor einem Gremium kam es dann noch weiter zu Rollengesprächen.

Darauf ging es zum Amtsarzt mit vollem Programm zu Sehen, Hören, Belastungs-EKG, Blutuntersuchung usw.

Nach einer gewissen Wartezeit kam die Zusage aus Berlin zur Ausbildung in der gehobenen Laufbahn zum Brandoberinspektor. Das Ziel wäre dann Zugführer, Wacheleiter oder eine ähnliche Verwendung.

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Warum nun Berlin?

Florian:

Berlin ist die größte Stadt Deutschlands. Die Berliner Berufsfeuerwehr ist die älteste und größte Feuerwehr der BRD und in Berlin geht es ab. Für einen jungen Feuerwehrmann bietet die Stadt die ganze Bandbreite des möglichen Einsatzgeschehens. In der Öffentlichkeit ist seit geraumer Zeit immer nur von der Silvesternacht und der Gewalt gegen Helfer die Rede. Klar, Gewalt gegen Helfer ist in der Großstadt sicherlich nicht nur an Silvester ein Thema.

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Was ist dein Ziel oder Plan? Wie lief die Ausbildung bislang ab?

Florian:

Zunächst sind die zweijährige Ausbildung und die Grundausbildung von sechs Monaten Dauer gefragt. Ich hatte bislang ein straffes Programm und die Ausbildung zum Sprechfunker/Atemschutzgeräteträger, sowie der Absturzsicherungslehrgang liegen schon hinter mir.

Es geht jetzt zum Truppenübungsplatz Mosbach mit verschiedenen Übungseinheiten und dann weiter nach Thüringen, zum Truppenübungsplatz Ohrdruf. Dort gibt es zahlreiche Übungen mit Feuer und wenig Schlaf.

Es folgt die Ausbildung zum Rettungshelfer und im gehobenen Dienst die Ausbildung B III und B IV. Dies ist die Ausbildung in Theorie und Praxis zu den Themen Führungslehre, Verwaltung, Stabsarbeit und vorbeugender Brandschutz.

Wenn alles so läuft, wie ich mir es vorstelle, möchte ich nach der Ausbildung zum Brandinspektor mindestens fünf Jahre bei der BF Berlin Erfahrung sammeln, danach sehe ich weiter.

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Kannst Du von deinen bisherigen Erfahrungen aus der Freiwilligen Feuerwehr profitieren?

Florian:

Voll! Ich habe einen großen Vorteil für mich selbst, es gibt einem aber keinen Vorteil in einem Auswahlverfahren. Im Rahmen der Grundausbildung interessiert es von Seiten der Berufsfeuerwehr niemanden, was du mitbringst.

in der Ausbildung fangen alle bei null an. Vier von uns 16 Anwärtern haben gar keine Vorgeschichte in einer Feuerwehr. Da ich die Feuerwehrdienstvorschriften, Abläufe, Fahrzeugbezeichnungen usw. bereits kenne, kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren.

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Hast du dir den Verlauf der bisherigen Ausbildung so vorgestellt?

Florian:

Es läuft genauso ab, wie ich es mir gewünscht habe. Ich freue mich über Themen, welche mich bislang noch nicht so tangiert haben.

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Berlin-Jestetten ist ja nicht gerade ums Eck. Vermisst du uns schon ein wenig?

Florian:

Ich bin seit Beginn der Ausbildung das zweite Mal in Jestetten. Natürlich versuche ich momentan, mich ganz auf die Ausbildung zu konzentrieren. Ich denke öfters an die gelebte Kameradschaft und die gemeisterten Einsätze zurück. Ich hatte das Glück als Feuerwehrmann, einige große Einsätze mit der Feuerwehr Jestetten, wie auch der Feuerwehr Konstanz zu erleben. Nun bekomme ich nur noch Bilder und Nachrichten zugesandt, das ist irgendwie komisch.

 

Florian, vielen Dank für deine Schilderungen. Wir werden deinen Werdegang gerne weiter verfolgen und freuen uns, dich jederzeit in unseren Reihen willkommen zu heißen. Vergiss uns nicht!

Wir wünschen Dir alles Gute!

  

Interview: Uwe Kaier, Mediensprecher der FFW Jestetten

Bild 1: U.Kaier

Bild 2-6: F. Heinemann