Aktuelles & News: FFW Jestetten

Seitenbereiche

Hauptbereich

Interview - zur Einsatzbereitschaft des Rettungsbootes

icon.crdate01.06.2023

Gespräch mit Abteilungskommandant Sven Trapp

Nach der Anschaffung des Bootes gab es viel zu organisieren. Unser Abteilungskommandant Sven Trapp zeigte sich für die Organisation des Projekts mit der Bootsgruppe verantwortlich.

 

Sven, seit der Weihe des Bootes ist doch einige Zeit verstrichen, bis die Einsatzbereitschaft auf deutscher Seite hergestellt werden konnte?

Ja das ist richtig. Neun Angehörige unserer Feuerwehr, darunter zwei Frauen, mussten alle den Bootsführerschein absolvieren. Hierbei machte uns Corona während der Ausbildung einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Zusätzlich sind noch zwei Kameraden der Abteilung Altenburg zum Team gelangt, welche schon im Besitz des Bootsführerscheins waren.

Es war und ist immer noch eine große Herausforderung für alle. Für uns ist alles Neuland. Wir übten mit einem privaten Boot auf dem Rhein in unserem Bereich, die Bootsprüfung mit der Theorie fand in Konstanz statt. Die Praxisprüfung wurde wiederum hier auf dem Rhein abgenommen.

Dazu kamen nach den Prüfungen die Einweisungen und Übungen mit unserem neuen Boot. Wir wollten nichts überstürzen und erst die Einsatzbereitschaft melden, wenn wir uns alle sicher fühlen. Die Sicherheit hat am und auf dem Wasser höchste Priorität.

Seit wann ist die Bootsgruppe nun einsatzbereit?

Seit dem 02. Mai 2023. Wir haben bei der Funkalarmierung eine eigene Schleife der Bootsgruppe, das Kommando wird immer dazu alarmiert. Wir treffen uns im Gerätehaus Jestetten, ziehen uns um und fahren nach Rheinau, um dort im Gerätehaus das Boot zu holen und an den Einsatzort zu bringen.

Das Boot liegt aus bekannten Gründen nicht im Wasser?

Richtig! Es geht nicht nur um die Gefahr von Diebstahl und Vandalismus, sondern um den jeweiligen Einsatzort. Auf Grund des Wehres am Kraftwerk Rheinau und der beiden Hilfswehre, ist das nicht so einfach. Bei unserem ersten Einsatz ging es nach Hohentengen. Wir hätten in diesem Fall das Boot erst einmal aus dem Wasser holen müssen, um dann auf dem Landweg nach Hohentengen zu gelangen. Weiterhin wird das Boot auf der schweizerischen Seite nicht nur auf dem Rhein eingesetzt.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den schweizerischen Bootsführern aus?

Beide Ländern haben zwei unterschiedliche Funksysteme. Bei einem gemeinsamen Einsatz haben wir beide Systeme auf dem Boot. Sonst funktioniert die Kommunikation vor einem Einsatz oder in anderen Belangen über Mobiltelefone.

Laut der Alarm- und Ausrückeordnung werden bei "Personen im Wasser" und Bootsunfällen in unserem Rheinbereich beide Seiten alarmiert und das Boot gemeinsam besetzt. Bei Bagatelleinsätzen wird jede Feuerwehr für sich selbständig agieren. Das gemeinsame Projekt ist am Wachsen, alles muss sich erst einmal einspielen und wir stehen ja im ständigen gemeinsamen Kontakt.

Im Alarmplan des Landkreises Waldshut sind wird wir außerhalb unseres Zuständigkeitsbereichs als 2. Boot für den Bereich Hohentengen zuständig, um die dortige Feuerwehr zu unterstützen.

 

Somit gilt welcher Einsatzbereich auf dem Rhein für unser neues Boot?

Wir sind vom Rheinfall stromabwärts bis nach Reckingen zuständig. Je nach Anforderung und Lage können wir auch nach dem Kraftwerk Reckingen rheinabwärts eingesetzt werden.

Wie erwähnt, fahren die schweizerischen Kollegen auch auf anderen Gewässern.

 

Wie ist das mit den Unkosten und dem Unterhalt geregelt?

Die Anschaffung erfolgte durch beide Seiten und unterschiedlichen Stellen, die laufenden Kosten werden weitgehend aufgeteilt.

 

Bei welchen Alarmstichworten soll das Boot alarmiert werden?

Bei Person im Wasser und ggf. deren Suche; bei Boots- und Freizeitunfällen auf dem Rhein, bei Personenbergungen; Tierrettung; Umwelteinsätzen und der Unterstützung der Polizei beider Rheinseiten. In naher Zukunft wird das Boot auch für Brandbekämpfungen vorbereitet, um einen Löschangriff auf dem Wasser oder wasserseitig zu ermöglichen. Man kann mit dem Boot auch Ölsperren auf dem Wasser aufbringen.

 

Nun hattet ihr den ersten Einsatz in Hohentengen. Wie lief die Feuertaufe?

Wir waren, trotz der langen Anfahrt, recht schnell in Hohentengen. Es braucht halt einfach seine Zeit, das Boot zu holen, es an den Einsatzort zu bringen und zu Wasser zu bringen. Die Sicherheit steht hier immer an erster Stelle.

Wir waren zu viert im Boot und hatten noch einen Strömungsretter des DLRG an Bord. Wir empfanden den Einsatz als gelungen, die Zusammenarbeit mit den anderen Stellen war top.

Es ist natürlich schon eine große Herausforderung gewesen, da uns das Gebiet in Hohentengen auf dem Wasser noch nicht bekannt war. Die Gegebenheiten, die Strömung, alles ist anders im Vergleich zur Rheinschleife.

Wir waren in einen großen Einsatz unter anderem mit einer Drohne, zwei Hubschraubern, mit zahlreichen Booten eingebunden. Es klappte alles sehr gut. Außer, dass wir die vermisste Person leider nicht gefunden haben.

 

Wie geht es weiter?

Weiter geht es mit intensivem Training, dem regelmäßigen Übersetzen an den Wehren und dem Kennenlernen der Materie Wasser. Obwohl Wasser das Hauptlöschmittel der Feuerwehr ist, hat Wasser ja bekanntlich keine Balken und der Rhein stellt für uns mit dem Boot eine komplett neue Herausforderung, ein neues Terrain dar.

Ständiges Üben ist somit Pflicht und man wird uns nun öfters auf dem Rhein beobachten können, was ja auch zur Erhöhung der Sicherheit in unserem Einsatzbereich beitragen dürfte.

 

Sven, ich danke dir für das Interview. Somit wünsche ich euch unfallfreie Einsätze, viel Spaß beim Üben und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

  

Bericht und Interview: Uwe Kaier

Bild: Uwe Kaier